Montag, 4. April 2011

Studie: Inflationsängste deutscher Anleger steigen auf Rekordhoch

Die Anleger in Deutschland sehen in den nächsten sechs Monaten deutliche Preiserhöhungen auf sie zukommen. So sind die Inflationserwartungen gegenüber dem vierten Quartal 2010 um 14 Prozentpunkte auf 90 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund macht sich die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) Sorgen um ihre Ersparnisse. Hinzu kommt, dass 30 Prozent weniger im Monat sparen als vor einem Jahr (Vorquartal: 23 Prozent). Dies zeigt eine Umfrage von Union Investment zum Anlegerverhalten im ersten Quartal 2011 (Grafiken und Zahlen sind hier abrufbar).

Im ersten Quartal 2011 hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland in den nächsten sechs Monaten etwas verschlechtert: 45 Prozent der Anleger glauben an eine Verbesserung. Im Vorquartal waren es immerhin 54 Prozent. Im Gegenzug steigt die Anzahl derer, die von einer gleichbleibenden Situation ausgehen, von 31 auf 40 Prozent. Eine Verschlechterung erwarten unverändert 15 Prozent.

Mehr als doppelt so viele Anleger erwarten deutliche Preiserhöhung
Deutlich gestiegen sind hingegen die Inflationsängste der deutschen Anleger. Sie erreichen den höchsten Wert seit Beginn der Fragestellung im dritten Quartal 2008: 90 Prozent befürchten starke beziehungsweise leichte Preiserhöhungen in den nächsten sechs Monaten gegenüber 76 Prozent im Vorquartal. Der Anteil derer, die von stark steigenden Preisen ausgehen, beträgt aktuell knapp ein Fünftel (19 Prozent), mehr als doppelt so viele wie im vierten Quartal 2010 (8 Prozent). Erstmals seit dem dritten Quartal 2008 rechnet keiner der Befragen mit einem niedrigeren Preisniveau.

Gleichzeitig sind 58 Prozent der Anleger besorgt um ihre Ersparnisse (Vorquartal: 57 Prozent). Im Vergleich des Haushaltsnettoeinkommens nimmt die Sorge um die eigenen Geldanlagen mit höherem Einkommen ab: 70 Prozent mit einem Einkommen unter 1300 Euro fürchten sich um die Sicherheit ihrer Ersparnisse. Bei den Befragten mit einem Einkommen über 3100 Euro ist es nur jeder Zweite (52 Prozent).

Steigende Energiepreise als Negativtreiber
Die Verunsicherung führt Giovanni Gay, Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds GmbH, auf die gestiegenen Energiepreise zurück: „Die Verbraucher mussten in letzter Zeit für Heizöl, Kraftstoffe und Strom deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wer sein Vermögen vor Inflation schützen möchte, sollte bei seiner Anlageentscheidung Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe berücksichtigen.“ Auch inflationsgesicherte Anleihen böten einen Schutz vor Geldentwertung.

Sparbereitschaft geht zurück
Auffällig ist, dass sich das Sparverhalten im ersten Quartal 2011 verändert hat: So sparen 30 Prozent der Anleger weniger im Monat als noch vor einem Jahr (Vorquartal: 23 Prozent). Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Fragestellung im ersten Quartal 2009. Im Gegenzug ist der Anteil derer, die ihre monatliche Sparrate konstant halten, um sechs Prozentpunkte auf 49 Prozent gesunken. Mehr als vor einem Jahr spart unverändert gut ein Fünftel der Anleger (21 Prozent).

EU-Schuldenkrise: Große Unschlüssigkeit über die Folgen der finanziellen Hilfe
Im ersten Quartal 2011 befürwortet ein Drittel der Anleger (32 Prozent) die finanzielle Unterstützung der durch die Schuldenkrise besonders betroffenen Euroländer durch finanzstarke Länder. Ein Viertel der Befragten lehnt die finanzielle Hilfe ab. Der Großteil (42 Prozent) ist sich unschlüssig über die Folgen der finanziellen Unterstützung. Gay ist überzeugt, dass der EU-Gipfel im März ein wichtiger Meilenstein zur großen Reform der Währungsunion markiert: „Mit dem Entschluss für die Fortführung des Rettungsschirms wird die Europäische Währungsunion nun einen ersten Schritt Richtung Transferunion vollziehen, um die Staatsschuldenkrise auf Dauer zu lösen.“

Was die eigenen Ersparnisse betrifft, bereitet die derzeitige Situation in Euroland der Mehrheit (65 Prozent) kein Kopfzerbrechen. Lediglich 35 Prozent sind sehr beziehungsweise etwas besorgt über ihre Geldanlagen. Interessant ist, dass mit zunehmendem Alter die Besorgnis steigt: Während sich bei den 20- bis 29-Jährigen ein Viertel (24 Prozent) Gedanken macht, sind es bei den 50- bis 59-Jährigen 42 Prozent.

Hintergrundinfos zur Umfrage
Seit Anfang 2001 lässt Union Investment durch das Marktforschungsinstitut Forsa quartalsweise eine Erhebung zum Anlegerverhalten durchführen. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Die aktuelle Befragung für das erste Quartal 2011 fand in der Zeit vom 8. bis 16. Februar statt. (Bei Umfragewerten, die sich nicht zu hundert Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.) (ir)

Quelle: FONDS professionell