Freitag, 21. Oktober 2011

Deutsche befürchten Entwertung der Ersparnisse durch Inflation


Krise dämpft Bereitschaft zur Vorsorge

Trotz günstiger Wirtschaftszahlen in diesem Jahr zeigen sich die Bundesbürger bei ihrer persönlichen Altersvorsorge nicht optimistisch. Vielmehr glaubt inzwischen jeder fünfte Berufstätige ab 50 Jahre, im Alter seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten zu können. Das ist der höchste Wert, der in der jährlichen Postbank-Studie "Altersvorsorge in Deutschland" seit 2006 je gemessen wurde.

Zugleich sinken laut Studie die Ausgaben und die Bereitschaft für die private Altersvorsorge. Nur rund die Hälfte der jungen Berufstätigen unter 30 Jahren plant noch einen Ausbau der privaten Altersvorsorge. Das ist ein Negativrekord seit 2003. Wer aber die Vorsorge jetzt noch erweitern will, hat einen klaren Favoriten: Das Eigenheim. Jeder dritte vorsorgewillige Berufstätige plant den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände. Mittlerweile wollen mehr Berufstätige zur Altersvorsorge in Goldmünzen oder -barren investieren als etwa in eine private Riester-Rente.
Laut Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank verläuft "die brisante Entwicklung parallel zur Verschuldungssituation in Europa". So sorge sich aufgrund der hohen Verschuldung vieler EU-Staaten und der Krise des Euro fast jeder zweite Deutsche um seine Altersvorsorge. Laut Studie ist die größte Sorge der Bundesbürger eine Entwertung von Ersparnissen durch Inflation - jeder Dritte befürchtet dies aktuell. Dass durch Zahlungen Deutschlands an andere Länder Geld für die staatliche Rentenkasse fehlt, beunruhigt 30 Prozent der Bundesbürger. 43 Prozent aller Berufstätigen fragen sich, "welche private Anlageform überhaupt noch Sinn macht". Und jeder Dritte hat seither stärkere Zweifel an der Sicherheit der privaten Altersvorsorge.
Mit der wachsenden Unsicherheit erlahmt auch der Antrieb zu privaten Altersvorsorge. Fast vier von zehn Berufstätigen gaben an, keinen Ausbau mehr zu planen. Unter denen, die vorsorgen, hat sich die Höhe ihrer monatlichen Beiträge um sechs Prozent gegenüber 2010 auf derzeit 188 Euro im Monat reduziert. Besonders auffällig ist das Verhalten der jungen Berufstätigen im Alter von 16 bis 29 Jahren. Unter ihnen will nur rund die Hälfte noch weiter privat vorsorgen. Vor dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise 2008 waren es noch 65 Prozent. Ein Viertel der jungen Berufstätigen sagt jetzt ausdrücklich, nicht weiter vorsorgen zu wollen - ein Rekordwert in den Messungen der Postbank-Studien seit 2003 und eine Verdopplung allein gegenüber dem Jahr 2010.

Die Suche nach einer vermeintlich sicheren Altersvorsorge lässt das Interesse an Goldbarren und -münzen stark steigen. Mit 13 Prozent plant mehr als jeder achte Berufstätige, der seine private Vorsorge noch ausbauen will, einen Goldkauf. Dagegen kommt die private Riester-Rente nur noch auf einen Zustimmungswert von zwölf Prozent. Spiegelbildlich dazu ist die Einschätzung, welche Anlageform als "besonders sicher" gesehen wird. Hier kommt das Gold auf 39 Prozent, die Riester-Rente dagegen nur auf einen Wert von 21 Prozent. Der so genannte Wohn-Riester für die Anschaffung eines Eigenheims erreicht gar nur sieben Prozent der Nennungen. Allerdings: Vier von zehn Berufstätigen hörten in der diesjährigen Postbank-Befragung "jetzt zum ersten Mal vom Wohn-Riester".
Jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge noch erweitern will, plant dazu den Erwerb einer eigenen Wohnung oder eines eigenen Hauses. Dies sind gut 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wertschätzung des Eigenheims als "ideale Vorsorgeform" ist besonders bei jungen Berufstätigen unter 30 und bei Berufstätigen in Ostdeutschland gewachsen. Hier schließen die Ostdeutschen mit 64 Prozent nun erstmals fast auf das Niveau im Westen auf, wo der Wert bei 68 Prozent liegt.

Neben Sachwerten wie Immobilien oder Gold gibt es noch eine Vorsorgeform, die 2011 in allen Bereichen zulegen kann: Die Betriebliche Altersvorsorge (bAV). Als "Ideale Form der Alterssicherung" wird sie aktuell von jedem Zweiten genannt. Glatt verdoppelt hat sich gegenüber dem Vorjahr auch die Zahl derer, die hierin jetzt vermehrt investieren wollen.
Quelle: KURS-Newsletter 21.10.2011